In diesem Kapitel ist das Jahr der Rebe beschrieben.
Beschrieben sind die natürlichen Vorgänge der Rebe, Naturgesetze, welche durch
die Arbeit des Weinbauers beeinflusst oder gefördert werden. Zudem findet man in
diesem Kapitel die natürlichen Feinde der Rebe.
Dieses Kapitel ist wie das vorherige in Monaten unterteilt, was wiederum das
parallele Studieren der zwei Kapiteln erleichtert. Auch hier findet man am
Anfang des Kapitels einen Gesamtüberblick.
| Monat | Das Jahr des Winzers | Das Jahr der Rebe |
| Februar | -Das Schneiden der Reben. | -Winterruhe |
| März | -Das Anbinden der Tragruten -Das Düngen der Reben |
-Der Rückstau im Bogen -Die Rebe weint |
| April | -Frostschutzmassnahmen -Anlegen von Neuanlagen -Die Schädlingsbekämpfung |
-Austrieb -Einsetzen des Stoffwechsels durch die Blätter -Schädlinge |
| Mai | -Das Erlesen der Triebe -Bodenpflege -Schädlingsbekämpfung |
-Das Wachstum der Triebe -Pilzkrankheiten |
| Juni | -Die Laubarbeit -Schädlingsbekämpfung -Bodenpflege |
-Die Rebblust -Das Verrieseln der Gescheine -Starker Wachstum der Triebe |
| Juli | -Einkürzen der Triebe -Hagelschutz -Schädlingsbekämpfung -Laubarbeit -Bodenpflege |
-Nährstoffmangel -Starker Wachstum der Triebe |
| August | -Schädlingsbekämpfung -Laubarbeit -Bodenpflege |
-Die Reifung der Früchte -Die Färbung der Traube |
| September | -Traubenschutz -Vorbereitungen für die Ernte |
-Die Verholzung der Triebe -Reifung der Früchte -Färbung der Trauben und der Blätter |
| Oktober | -Traubenernte | -Fäulnisse -Reifung der Früchte -Verfärbung der Blätter |
| November | -Entfernung der Altanlagen | -Abfallen der Blätter -Eintritt in die Winterruhe |
Alle im Kapitel vorkommenden Themen auf einen Blick
Kursiv: Arbeiten und Vorgänge, welche nicht in diesem Kapitel zu finden sind
oder Monatsübergreifend sind
Über die kalten Wintermonate hält die Rebe eine Winterruhe.
Da sie in dieser Zeit keine grüne Blätter hat, lebt sie von den gespeicherten
Nährstoffen, welche im Sommer angesammelt wurden.
Im Winter kann eine gesunde Rebe -18°C gefahrlos überstehen. Kritisch wird es
erst, wenn die isolierende Eiskristallschicht fehlt, oder die Rebe vom Vorjahr
her von Krankheiten geschwächt oder zu alt ist. Treten Frostschäden auf, werden
zuerst die Winterknospen angegriffen. Dauert die kalte Phase länger, wird auch
das Holz angegriffen. Diese Schäden bleiben meist unerkannt. Schleichen sich
aber später aus dem Boden Bakterien der Art Agrobacterium tumefaciens in das vom
Eis aufgerissene Holz, kann sich die gefährliche Krankheit Mauke einnischen. Sie
verursacht Gewebewucherungen und stört so die Saftzirkulation der Rebe. Solche
Stöcke müssen ausgerissen und verbrannt werden, um weitere Infektionen der
umliegenden gesunden Stöcke zu vermeiden.
![]() Abb.35; Ein von Mauke befallener Stock |
![]() Abb.36; Reben in der Winterruhe |
Eine Pflanze hat die Möglichkeit, dass Wasser durch den
Wurzeldruck und die Kapillarkraft in die Höhe zu pumpen. Dies hat zur Folge,
dass die oberen Triebe der Rebe grösser sind als die Unteren.
Würde man die Tragrute nicht runterbinden, würden die neuen Triebe, welche im
unteren Teil der Tragrute wachsen, klein bleiben. Nun bindet man die Triebe an
den untersten Draht, so dass es einen Rückstau des Wassers gibt. Dieser Rückstau
im Bogenverursacht, dass das Wasser nicht mehr so schnell zirkulieren kann und
alle neuen Triebe gleichgross werden und Früchte tragen können.
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Bei einem Spaziergang im Rebhang fallen die frisch
angebundenen Tragruten auf, welche mit Safttropfen versehen sind. Man
könnte glauben, dass es sich um morgendliche Tautropfen handelt.
Richtigerweise handelt es sich aber um eine stark verdünnte Salz- und
Kohlenhydratlösung. Das Weinen der Reben zeigt, wie aufgenommenes Wasser
in die Spitze der Rebe gelangt. Die Wurzel nimmt diese Lösung mit Hilfe
ihrer Wurzelhaare auf (Osmose). Ein sehr komplizierter Mechanismus, der
Wurzeldruck, befördert die Lösung weiter, bis die Kapillarkraft das
Wasser bis in die Spitze befördert. |
Abb.37; Weinende Tragrute |
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Im April beginnt der Austrieb. Die vom Vorjahr angelegten Winterknospen beginnen zu schwellen. Später strecken sie sich und die Spitze des Triebes ist sichtbar. In rascher Folge sind die ersten zusammengefalteten Blätter erkennbar. Die Blätter entfalten sich und wachsen nun von Tag zu Tag. Nach ein paar Tagen ist der ganze Trieb erkennbar. Bei genauem Hinsehen entdeckt man bereits Ranken und Gescheine. Kurz nach dem Austrieb haben die Triebe eine rötliche Färbung. Durch das Wachstum bildet die Pflanze Chlorophyll und wird grün. Nun beginnt die Pflanze mit der Photosynthese. |
Abb.38; Austreibende Knospe |
Im letzten Jahr hat die Rebe Kohlenstoff in Überschuss in Stärke umgewandelt und gespeichert. Nun ist diese Reserve fast verbraucht. Sobald die Blätter sich entfaltet haben, kann der Stoffwechsel (Photosynthese) über die Blätter wieder fortgesetzt werden. Solange die Blätter noch klein sind, wird immer noch von der Reserve benötigt. Erst ab einer gewissen Grösse kann das Blätterdach genug Kohlenstoff aufnehmen, um ihren Bedarf zu decken und die Reserve für den nächsten Winter anzulegen.
Setzt der Austrieb ein, erscheinen auch schon die ersten Schädlinge, welche sich von den schwelenden Knospen und den grünen Blättern ernähren. Sie überwinterten in Holzritzen oder im Boden.
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Die Einstiche an den jungen Trieben und Blätter verursachen eine starke Hemmung des Wachstums. Es kommt zu kleineren Internodien und die Blätter kräuseln sich stark. Ebenfalls können Gescheine befallen werden, welche verkrüppeln. Die Stärke der Schäden richtet sich nach der Infektionsdichte und den klimatischen Verhältnissen. |
Abb.39; Von der Kräuselmilbe befallene Blätter |
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Pockenmilben treten meist Stockweise auf. Durch ihre Saugtätigkeit auf der Unterseite des Blattes deformieren sich die Blattspreizen. Die befallenen Blätter bekommen auf der Blattoberseite sogenannte "Pocken". Die Nachkommen leben auf der Blattunterseite in einem Gespinst in diesen "Pocken". Treten die Pockenmilben im Frühling stark auf, können sie das Wachstum der Rebe und das Aufblühen der Gescheine hemmen. |
Abb.40; Blatt mit "Pocken" |
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Die Gelbe Spinne ist eine Milbenart und wird auch Gemeine Spinnenmilbe genannt. Ihr Schadenbild ist dem der Roten Spinne sehr ähnlich. Der Zyklus der Gelben Spinne erstreckt sich auf sechs bis zehn Generationen pro Jahr. Im Gegensatz zur Roten Spinne hat die Gelbe Spinne die Fähigkeit, Spinnengewebe zu bilden, welches ihr Schutz gewährt und die Schäden an den Rebstöcken verstärken. |
Abb.41; Gelbe Spinnen |
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Die Rote Spinne ist eine Milbenart. Durch ihre Saugtätigkeit verfärben und verformen sich die Blätter. Starker Frühbefall bremst das Treibwachstum. Die Schäden können soweit gehen, dass die Blätter und Blüten abfallen. Ende Juli beobachtet man oft ein neues Schadenbild. Die Blätter verfärben sich rotbraun und die Traubenqualität wird beeinträchtigt. |
Abb.42; Rote Spinne |
Schildläuse können vor allem an Spalierreben auftreten, durch ihre Saugtätigkeit schwächen sie die Stöcke. Am Bielersee treten sie nur selten auf.
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Die Eulenraupe ist die Raupe des Eulenschmetterlings. |
Abb.42; Eulenraupe |
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Die Rebe kann von verschiedenen Dickmaulrüssler befallen werden. Ihre Grösse wechselt von 5 bis 10 mm, je nach Art. Der Erwachsene Käfer verursacht Schäden während der Nacht, indem er Blattränder anfrisst. Die Larven des Dickmaulrüsslers leben im Boden und verursachen Schäden an den Rebwurzeln. |
Abb.44; Larve des Dickmaulrüsslers |
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Dieser kleiner Käfer, mit metallisch grünen und grauem Glanz, tritt gelegentlich in unseren Weinberge auf. Das Weibchen legt seine Eier in ein vorher zur Zigarre gedrehtes Blatt ab. Dieser Schädling ist recht harmlos und verursacht selten grössere Schäden. |
Abb.45; Eierablage des Weibchens |
Vom Traubenwickler sind zwei Sorten bekannt. Der Einbindige
(Eupoecilia ambiguella) und der Bekreuzte (Lobesia botrana) Traubenwickler.
Beide Arten haben zwei Generationen pro Vegetationsperiode. Die erste Generation
Larve nennt man Heuwurm, die zweiten Sauerwurm.
Der Heuwurm frisst Blüten aus und zerstört teilweise die Gescheine. Diese
Schäden bleiben meist klein. Der Sauerwurm hingegen entwickelt sich in den
Beeren und frisst diese von innen auf. Dadurch kommt es zu einem direkten
Schaden. Die angefressenen Beeren verfaulen (an Essigstich) und können nicht
mehr geerntet werden.
Die ausgewachsenen Tripse und deren Larven saugen an Triebe und Blätter. Auf den Blättern werden infolge Verletzung braune Nekrosen (Blattflecken) sichtbar. Durch das Wachstum der Blätter entstehen Risse und Löcher im Gewebe. Stark befallene junge Triebe zeigen einen deutlichen Zickzack-Wuchs. Diese Triebe haben meist kein grosses Längewachstum mehr. Bei wenig Befall kommt es zu gitterförmigen Verkorkungen. Solche Symptome können auf Triebe, Blattrippen, Blattstielen und auch auf dem Traubengerüst gefunden werden.
Problemstellung
Die Triebe wachsen ab Mai sehr schnell. Ich wollte nun anhand von eigenen
Messungen überprüfen, wie schnell die Rebe wächst und ob zwischen der weissen
Sorte (Gutedel) und der roten Sorte (Pinot Noir) grosse Differenzen vorhanden
sind.
Methode
Ich wählte kurz vor dem Austreiben der Knospen je vier Rebstöcke aus (Gutedel
und Pinot Noir) und bezeichnete diese. Ich achtete, dass die verschiedenen
Stöcke nicht das selbe Alter und Standorte haben. Von jedem Stock bestimmte ich
zwei Triebe. Der eine Nahe am Stamm, der zweite am äusseren Ende der Tragrute.
Einmal die Woche führte ich die Messungen durch. Die Ergebnisse meiner Messungen
trug ich zusammen und bestimmte den Durchschnitt, mit welchem ich das Ergebnis
interpretieren will.
Die Messungen machte ich bis Ende Juni. Ich unterbrach meine Studie, da ich
einen Sprachaufenthalt in Frankreich besuchte.
Ergebnis
Diskussion
Triebe können pro Tag 6 cm wachsen. In meinen Messungen war dies nie der Fall.
Dies hängt wohl damit zusammen, dass es in diesem Jahr einen kühlen Frühsommer
gab. Das Wachstum der Rebe hängt sehr stark vom Klima ab. Klar zu sehen ist das
zwischen dem 15.5 und 23.5, sowie in der Woche vom 20.6 bis am 27.6. In diesen
Wochen wuchsen die Triebe wenig, da ihr das Klima zu kalt war.
Erstaunlich ist auch, dass die Pinot Noir-Stöcke schneller wachsen als die der
Gutedel. Ein Zeichen dafür, dass die zwei Sorten ein anderes Optimalklima haben.
Im Mai sind die Gescheine schon gut erkennbar. Sie wachsen
und bilden sich sehr schnell. An manchen Gescheine ist die bald kommende Blüte
schon erkennbar. Diese nehmen immer mehr an Gewicht zu und stehen schon nicht
mehr senkrecht in den Himmel, sondern nehmen einen 75° Winkel ein.
Auch sind die zwei typischen Sorten des Rebbaugebietes am Bielersee gut an den
Spitzen der Triebe unterscheidbar. Die Triebspitze der Gutedelrebe weist einen
roten Schimmer auf, welcher über die gelbe Spitze gezogen ist.
Die Triebspitze der Pinot Noir-Rebe hingegen ist mit einer flauschigen weissen
Film überzogen.
Abb.49; Spitze eines Sommertriebes der Gutedelrebe |
Abb.50; Spitze eines Sommertriebes der Pinot Noir-Rebe |
Im Mai treten oft Pilzkrankheiten auf, welche ebenfalls durch Spritzen bekämpft werden. Diese Pilzkrankheiten können bis im Herbst immer wieder auftreten.
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Auf diesen Pilz sind alle europäischen Reben
anfällig. Dieser Pilz greift vor allem Blätter an, kann aber auch auf
Trauben übergreifen. |
Abb.47; Ein vom Rotbrenner befallenes Blatt |
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Der Falsche Mehltau wurde wie die Reblaus von Amerika
nach Europa eingeschifft. Dieser Pilz greift alle Grünflächen der Rebe
an und kann so riesengrosse Schäden anrichten. Er liebt das kalt feuchte
Wetter. Die letzte grosse Befallung am Bielersee war im Sommer 1999. Wer
nicht achtsam war und nicht die nötigen Spritzmittel in Reichweite
hatte, bekam die Schäden in grossen Massen zu spüren. |
Abb.46; Vom Falschem Rebenmehltau befallene Traube |
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Der Echte Mehltau kann alle grünen Pflanzenteile befallen. Er tritt bei warmer feuchter Witterung auf. Der Echte Mehltau lebt auf der Oberseite der grünen Pflanzenteile. Er überzieht diese allmählich mit einem grau-weißen Belag, welcher einen modrigen Geruch von sich gibt. Auch Trauben können befallen werden. Der Echte Mehltau greift dort die Beerenhaut an. Da das Fruchtfleisch in der zerstörten Haut weiter wächst, kommt es zu einem sogenannten Samenbruch: Die Beere wird aufgerissen und die Samen werden Sichtbar. Solche Beeren können nicht mehr geerntet werden. |
Abb.47; Vom Echten Rebenehltau befallene Traube |
Im Gegensatz zu anderen uns vertrauten Blüten, die sich langsam entfalten und so die innere Organe sichtbar werden lassen, reissen bei der Rebe alle fünf Kronblätter am Kelchsaum ab, da sie von den Staubblätter weggestossen werden.
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Nachdem die Kornblätter abgesprungen sind, gelangen die Pollenkörner auf die Narbe und keimen dort aus. Die Pollenschläuche mit den männlichen Keimzellen wachsen im Griffel nach unten und einzelne erreichen die weiblichen Samenanlagen. Aus der Verschmelzung mit der Eizelle entstehen die Traubenkerne. Der Fruchtknoten entwickelt sich nach der Befruchtung zur Beere. |
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Abb.52; Querschnitt durch einen
Fruchtknoten während der Befruchtung |
Unter Verrieseln versteht man das übermässige Abwerfen vieler
Blüten und die Entwicklung kleiner, meist kernloser (unbefruchteter) Beeren. Die
Ursache dafür sind schlechte Wetterbedingungen während der Blüte, Befall von
Viren, oder dass der Stock zu schwach ist, um Fruchtstände zu tragen.
Findet nach der Blütezeit ein grosses Verrieseln der Gescheine statt, wissen
wir, dass die Blust nicht optimal verlaufen ist.
Das Laub der Rebe wachst nun sehr schnell und viele lebenswichtige Nährstoffen aus Boden und Luft werden benötigt. Fehlen diese, können die Reben Nährstoffmangelerscheinungen aufweisen. Diese sind sehr gut an den Blättern erkennbar. Eine oft auftretende Mangelerscheinung ist der Eisen- und Magnesiummangel. Der kalkhaltige Boden am Bielersee kann bei Nässe Eisen und Magnesium abbinden und so den Reben vorübergehend entziehen. Es entsteht eine Calciumchlorose. Die Rebe kann ihr Blattgrün nicht mehr unterhalten und die Blätter verfärben sich gelblich. Auf die Rebe können solche Nährstoffmängel sehr schädlich sein, da diese nicht mehr fähig ist, ihren Wintervorrat an Stärke aufzubauen.
Im Herbst beginnen die Trauben zu wachsen. Das Wachstum wird
dadurch gefördert, dass Zucker und Wasser in die Beeren gelangen, welche von den
Wurzeln und den Blättern aufgenommen und verarbeitet wurde. Der Wanderung, bei
welcher die Nährstoffe zu dessen Benützer wandern, nennt man
Assimilationswanderung. Die Assimilationswanderung konnte nachgewiesen werden,
indem man dem Rebblatt radioaktive Stoffe gegeben hat und durch Röntgenaufnahmen
der Weg der Wanderung sehr schön und klar sichtbar wurde.
Der Zweck der Traube dient dazu, dass die neuen Sprösslinge, welche aus den
Befruchteten Kernen spriessen, genügend Nahrung haben, bis sie diese
selbstständig produzieren können.
Sobald die Beeren saftig werden, wird das Blattgrün in den Zellen der Beere abgebaut und die Beeren scheinen blass und matt. Später setzt der Farbstoff Anthocyane ein, welcher auch bei der Herbstfärbung der Blätter vorkommt. Dieser Farbstoff färbt die obersten Zellschichten mit dem für die Sorte typischen Farbton. Stellen, welche oft von der Sonne beschienen werden, verfärben sich früher als solche, welche einen Schattenplatz haben. Zum Schutz von Infektionen, überzieht eine hauchdünne wasserabstossende Schicht, die sogenannte Kutikula, die Beere.
Die Sommertriebe verändern sich und bereiten sich für den folgenden Winter vor. Um Nährstoffe besser speichern zu können und sich besser gegen die eisige Kälte zu isolieren, verholzen sich die Sommertriebe und hören auf zu wachsen.
Weiche Beeren sind sehr verletzlich. Ist ihre Haut zerstört, haben Pilze leichten Zugang und die Beeren verfaulen. Bei nassem Herbstwetter wird diesen Vorgang gefördert.
Die Graufäule gehört zu den meistgefürchteten Krankheiten. Im
Frühling können bei feuchtem Wetter junge Triebe und Blätter befallen werden. An
den Internodien verursacht der Pilz hellbraune Stellen, wobei der Trieb nach
anfänglicher Krümmung abbricht. Bei nassem Wetter während der Blüte befällt der
Pilz auch gerne die Kronblätterkäppchen, welche nicht abgeworfen werden. Bei
unreifen Trauben zerstört der Pilz Beeren und das Stielgerüst.
Die grössten Schäden aber entstehen durch die Graufäulen an reifenden Trauben.
Eintrittstellen für den Pilz sind Verletzungen, welche durch Vogel- oder
Wespenfrass, Hagel, starkem Niederschlag, und dem Sauerwurm verursacht wurden.
Angegriffene Beeren verfärben sich bräunlich und ein dichter Sporenrasen
entwickelt sich aus dem Fruchtfleisch
Die genaue Ursache der Stiellähme ist noch heute nicht bekannt. Die Stiellähme könnte das Resultat vieler Krankheiten sein, welche das Stielgerüst angreifen. Die Beeren werden durch das erschlaffen der Stiele von der Wasserversorgung abgetrennt und reifen nicht weiter.
Beim Essigstich wurden von Insekten benagte Stellen mit Mikroorganismen infiziert. Wenn es dabei zu einer alkoholischen Gärung kommt, folgt ihr unweigerlich die Bildung von Essig durch Essigbakterien. Werden die Trauben trotzdem geerntet, verleihen diese Beeren dem Wein einen Essigstich, welcher ihn ungeniessbar macht.
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Wie alle die Weinbau betreiben, sind auch wir von diversen Krankheiten der Reben betroffen. Dies aber im Gegensatz zur allgemeinen Meinung nicht mehr oder weniger als die konventionell anbauenden Winzer. Im folgenden nun eine kleine Übersicht der möglichen Krankheiten und Schädlinge, mit denen wir zu kämpfen haben: Krankheiten:Peronospora Oidium Botrytis Eisenmangel Schädlinge:Traubenwickler Spinnmilbe Kräuselmilbe
PERONOSPORA: (Falscher Mehltau)
Der Peronospora-Pilz wurde 1878 aus Amerika nach Europa
eingeschleppt. Ältere Beeren schrumpfen zu sogenannten Lederbeeren
ein, die bei trockenem Wetter abfallen bzw. bei nassem Wetter
abfaulen können. Starker Befall mit diesem Pilz kann zu hohen
Ertragsverlusten führen und die Qualität des Lesegutes erheblich
beeinträchtigen. Nach einem sog. „Sporenausbruch“ in der Nacht
breitet sich auf der Blattunterseite ein deutlich sichtbarer
„Pilzrasen“ aus. Aus diesem werden Schwärmsporen freigesetzt, die
sich mit Hilfe von Geißeln im Wasserfilm eines feuchten Rebblattes
fortbewegen können. Treffen sie auf eine Atemhöhle, bilden sie einen
Keimschlauch aus, der in das Blattinnere hineinwächst (Infektion). Starker Peronospora-Befall der Reben führt zu erheblichen Ertragseinbußen, beeinträchtigt die Qualität der Trauben und die Holzreife. Im letzten Jahr gab es vor allem in wichtigen Weinbauregionen Baden-Württembergs ideale Bedingungen für den Befall: Reichhaltige Niederschläge im Frühjahr sorgten dafür, dass der Pilz zunächst Blätter infizierte und sich dann auf Gescheine und Beerchen ausbreitete. Die Erfahrung bestätigte wieder einmal, dass für eine erfolgreiche Bekämpfung die vorbeugende Behandlung der Peronospora entscheidend ist. Ganz wichtig dabei: Peronospora-Gefahr ist immer verbunden mit feuchtem Wetter, wobei dann auch der Rebenzuwachs sehr stark ist. Diesen Zuwachs sollte man mit in Betracht ziehen und die Spritzabstände nicht zu weit ausdehnen. Vor allem um die Blüte herum muss ein gezielter Pflanzenschutz betrieben werden, da die jungen Beerchen sehr anfällig gegenüber Peronospora sind.
OIDIUM: (Echter Mehltau) Dieser Pilz wurde 1845 aus Nordamerika nach England eingeschleppt, wo er von einem Gärtner namens Tucker in seinem Glashaus entdeckt wurde. Schon 1850 hatte er sich in Frankreich verbreitet und wurde auch schon bald in Deutschland gefunden. Der Pilz überzieht die Beerenhaut mit einem grauen Belag und verhindert so deren weiteres Wachstum während das Innere weiterwächst. Schließlich platzt die Beere auf und die Samen werden sichtbar (Samenbruch). Feuchtes Wetter begünstigt hierbei die Fäulnisbildung. Wein aus befallenen Trauben neigt zu Schimmelgeschmack. An den ausgetrockneten Beeren können, wenn sie sich wieder mit Wasser vollsaugen, Schimmelpilze und auch Essigsäurebildner entstehen. Aber auch, wenn der Reifevorgang nicht direkt beeinflusst wird, stellen wir doch immer wieder fest, dass durch den Oidiumpilz auf der Beerenoberfläche der Mostgeschmack beeinträchtigt wird. Es ist deshalb ganz wichtig, den Pilz vorbeugend im Frühstadium zu bekämpfen, in einem Stadium, wo der Winzer vielleicht den Befall mit bloßem Auge noch nicht sieht, wo aber bereits größere Flächen am Blatt oder auch an den Gescheinen infiziert sind. Die Bekämpfung von Oidium vor und während der empfindlichen Blüte hat besondere Bedeutung.
BOTRYTIS:
Die Ansprüche der Weinkonsumenten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen -dadurch wird Botrytis ein immer wichtigeres Thema. Die Botrytis Bekämpfung hat bei uns im Betrieb einen sehr hohen Stellenwert. Bei den Rotweinen ist gesundes Lesegut absolut wichtig, da wir überwiegend mit Maischegärung arbeiten, um ein hohe Qualität zu erlangen. Bei den Weißweinen ist gesundes Lesegut ebenso Voraussetzung, denn nur damit können die fruchtigen, frischen Weine erzeugt werden, die dem derzeitigen Trend entsprechen. Grundsätzlich problematischer sind kompakte Rot- und Weißweinsorten, da sich darin Botrytis oft nestförmig und vom Stielgerüst ausgehend ausbreitet. Bei feuchter Witterung kann innerhalb weniger Tage massive Fäulnis einsetzen, wie es sich 1999 noch während der Lese zeigte. Auf diese Weise können auch noch zu einem späten Zeitpunkt größere wirtschaftliche Schäden entstehen durch eine starke Beeinträchtigung der Weinqualität. Bei der Handlese, wie sie von uns durchgeführt wird, können noch beträchtlich erhöhte Erntekosten durch getrennte Lese von gesunden und botrytisbefallenen Trauben dazukommen. Wo Vollernter eingesetzt werden, ist ein vollständig gesundes Lesegut Voraussetzung für den Ausbau qualitativ hochwertiger Weine.
EISENMANGEL: Bei standortbedingtem Eisenmangel (Chlorose) nehmen die jungen Rebenblätter zwischen den Blattadern eine zitronengelbe Färbung an. Anhaltender Mangel bringt Triebspitzen und Blätter zum Absterben, es kann zu einem Verrieseln der Gescheine kommen, und die Holzreife wird behindert. Wird die Chlorose nicht wirksam bekämpft, können die Reben ganz absterben.
TRAUBENWICKLER: Die Raupen der ersten Generation erscheinen Mitte bis Ende Juni (Heuwurmgeneration). Die etwa 1 mm große Raupe nagt sich nach dem Eischlupf in den Blütenstand ein. Nach dem Eischlupf, Ende Juli/August, bohrt sich die 2.Generation (Sauerwurmgeneration) in die Beeren ein. Die Beeren können dabei völlig ausgehölt und daraufhin vom Botrytispilz befallen werden. Die noch unreifen Beeren bleiben sauer und eignen sich nicht mehr zur Weingewinnung - daher der Name Sauerwurm. Nach dem Begattungsflug des Mottenstadiums (Sauerwurmmotten) im Juli legt das Weibchen seine Eier einzeln auf die Beeren ab. Die aus den Eiern schlüpfenden Raupen nehmen für ca. 3-4 Wochen ihre oben beschriebene Fraßtätigkeit auf. Danach suchen sie sich für die Überwinterung ein Versteck - z.B. unter der Borke des Rebholzes. Damit die weibliche Motte von ihrem Partner gefunden wird, strömt sie einen spezifischen Duftstoff (Pheromon) aus. Durch die gezielte Ausbringung synthetischer Pheromone in kleinen Kapseln wird den Männchen die Orientierung geraubt - sie werden so verwirrt (Konfusions- oder Verwirrungsverfahren), daß die Hochzeit leider ausfallen muß. Lediglich unbefruchtete Eier, aus denen keine Larven schlüpfen, werden abgelegt. Zur biologischen Bekämpfung kommen die natürlichen Feinde des Traubenwicklers zum Einsatz. Der Schaden durch den Traubenwickler kann je nach Gebiet und Lage fast die ganze Ernte vernichten. Letztes Jahr wurde oft sogar eine 3. Generation beobachtet (Süßwurm), die reife Trauben befällt.
Spinnmilbe: (Rote Spinne) Die Obstbaumspinnmilbe erzeugt 0,1 bis 100 Millionen Nachkommen. Die mehr als 20 Einstiche pro Minute und Tier können das Rebblatt zum Absterben bringen.
Spinnmilben richten in aller Regel nur in solchen Rebanlagen Schäden
an, in denen ihre natürlichen Gegenspieler (s.
Nützlinge),
insbesondere die Raubmilben, überhaupt nicht, oder in zu geringer
Anzahl auftreten. Um der unliebsamen Überraschung einer
Spinnmilbenepidemie im Herbst vorzubeugen, ist die Kontrolle der
Rebbestände vor der Abschlussspritzung sehr anzuraten. Das oberste
Ziel im Ökologischen Weinbau ist aber in jedem Fall die Regulation
des Spinnmilbenbesatzes mittels Nützlingen und die Förderung
dieser.
Kräuselmilbe: Seit zwei Jahren treten Kräuselmilbenbefälle, vor allem während der Sommermonate, zunehmend in Erscheinung. Dies bedeutet, dass mit der Kräuselmilbe wieder verstärkt gerechnet werden muss und die Bestände während der Austriebsphase und in den Sommermonaten sorgfältig auf Befallssymptome kontrolliert werden müssen. In der Weinbaupraxis hat sich die Erkenntnis inzwischen durchgesetzt, dass die besten Bekämpfungserfolge dann erreicht werden, wenn die Kräuselmilben vor dem Knospenaufbruch, noch in den Winterverstecken konzentriert, durch eine Austriebsbehandlung getroffen werden.
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